Der blaue Siphon Werkzusammenfassung :

Alles begann mit einem Traum, in dem eine Siphonflasche aus blauem Glas schwebte und ein Licht das Blau funkeln liess. Diese Siphonflasche kannte er aus seiner Kindheit, aus seinem Elternhaus.

Am anderen Tag machte sich der Erzähler auf, um im Kino einen Film zu sehen, von dem er nur den Titel kannte. Als er das Kino verlassen hatte und draussen in der warmen Sommernacht stand, befand er sich, wie in einem Traum, in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Zeit war um fünfzig Jahre zurückgedreht. Er lebte als Erwachsener in der Zeit, als er noch ein Kind war.
Er traf sein Kindermädchen Lisette, seine Mutter, seinen Vater, seinen Hund Jimmy und seine zukünftige Ehefrau mit dessen Mutter, die allerdings jünger, viel jünger waren als er. Er ist ja auch fünfzig Jahre zurückgereist.
Er hörte von einer Tragödie beim Wasserturm, wo sich eine Frau das Leben nahm – Schon als Kind hatte er davon gehört.
Doch wo mochte sein junges Ich jetzt sein ? Offenbar war er verschwunden.  Ja das war er. Auch er war im Kino gewesen und auch er war nicht mehr in seinem realen Leben, sondern in der Zukunft. Der kleine Junge war im Leben seines zukünftigen Erwachsenseins.
Er stand vor dem Kino und wartete auf sein Kindermädchen, das ihn abholen sollte. Doch es kam und kam nicht. Klar. Es konnte ja auch nicht kommen, denn sie waren ja nicht in der gleichen Zeit. Also lief er die Rämistrasse hoch, bis zu seinem späteren Haus. Dort traf er seine zukünftige Tochter, die ihm eine Feder schenkte.
Nach einiger Zeit machte er sich auf den Weg zum Kino, um einen weiteren Film zu sehen.
In der Zwischenzeit war der erwachsene Erzähler immer noch bei seinen Eltern, die gerade heulend am Tisch sassen, da ihr Sohn verschwunden war. Also machten sich das Kindermädchen Lisette und der Erzähler auf die Suche. Sie fuhren mit der Bahn zum Kino. Angekommen ging der Mann hinein und sah sich wieder einen Film an. Neben sich setzte er seinen alten Hund Jimmy, den er als Kind über alles geliebt hatte.
“Beide”, er als Erwachsener und er als Kind, waren nach dem Film wieder in der richtigen Zeit.
Und jeder von ihnen hatte etwas mitgebracht von ihrer Reise: Das Kind eine Feder, die er Lisette schenkte und der Erwachsene einen Hund, den er Mara schenkte.

Werkanalyse :

Die Geschichte ist wie ein Märchen für Erwachsene. Die Wirklichkeit wird träumerisch dargestellt, aber man sieht nicht nur die fehlerlose, idyllische Traumwelt, sondern durch den Krieg auch ein schlimmes Schicksal vieler Menschen.

Im ersten Kapitel ist der erwachsene Sohn Wirklichkeit. Von dem kleinen Jungen, der er früher mal war wird nur erzählt.
Im zweiten Kapitel erzählt der kleine Junge seine Reise in sein zukünftiges Leben.
So ist es immer eindeutig von welchem ICH die rede ist.
Dieser Szenenwechsel ist eine Vorliebe des Autors, die er perfekt auf’s Papier bringt.

Charakterisierung der Hauptpersonen :

Die Hauptperson des Buches ist ein Ich-Erzähler. Er tritt in zwei Personen auf; als Kind und als Erwachsener. Die zwei erleben einen Rollentausch:

Der kleine Junge trifft ins Leben seines späteren Erwachsenseins.
Sein Problem liegt darin, dass er sich mit dieser Projektion in die Zukunft nicht identifizieren kann. Ihm ist nicht klar, wo er sich befindet.
Er ist trotz des Krieges fröhlich und aufgeschlossen gegenüber neuen Dingen. Er will etwas erleben und lernt vieles durch das Beobachten anderer Menschen.

Die erwachsene Person durchlebt einzelne Höhepunkte seiner Kindheit nochmal. Dadurch findet er Gefallen an der Vergangenheit und wird unsicher, ob er wirklich wieder in sein reales Leben zurück möchte. Ihm gefällt es, noch einmal seine Eltern zu sehen und all seine Freunde und Verwandten. Jedoch liebt er auch seine Frau und seine Tochter und möchte auf keinen Fall, dass sich sein kleines Ich in der Zukunft nicht wohlfühlt.
Er ist ein ausgeglichener und ruhiger Mensch, welcher mit dem Kopf handelt und trotzdem sehr gefühlvoll ist.

Der Autor Dr. Urs Widmer:

Urs Widmer wurde am 21. Mai 1938 in Basel geboren. Sein Vater Walter Widmer war Gymnasiallehrer, Literaturkritiker und Übersetzer.
An der Universität in Basel studierte der Autor des Buches “der blaue Siphon” Germanistik, Romanistik und Geschichte.
Zwei Jahre in Montpellier und Paris ergänzten sein Studium. Eine Doktorarbeit über die deutsche Nachkriegsliteratur rundete es ab.
1967 zog Urs Widmer nach Frankfurt am Main, wo er Lektor im Suhrkamp Verlag wurde. Diesen verliess er bereits 1968, in Frankfurt blieb er jedoch für 17 Jahre.
Mit anderen Lektoren rief er den “Verlag der Autoren” ins Leben und wurde kurz nach der Gründung selbst zum Autor.
Heute lebt und arbeitet Urs Widmer als Schriftsteller in Zürich. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.